Neben durch Unfall verursachte Verletzungen und Verschiebungen der Wirbelsäule, gibt es zahlreiche weitere Ursachen in der heutigen Gesellschaft, die im Folgenden beispielhaft genannt werden.
Zu langes Sitzen
Das nahezu pausenlose Sitzen im Büro oder auf der Couch bekommt dem Rücken nicht. Falsches Sitzen gibt es jedoch nicht, sondern vielmehr ein zu langes Sitzen in gleicher Position. Der Druck auf die Bandscheiben ist dabei dreimal so hoch wie im Liegen und um das Eineinhalbfache höher als im Stehen. Die Muskulatur wird schlaff und verkümmert. Beim Sitzen vor dem Fernseher oder PC wird besonders die Nackenmuskulatur verspannt, was zu Kopfschmerzen und Rückenproblemen führen kann. Die Wirbelsäule ist für drei Bewegungsabläufe ausgerichtet: das Beugen und Strecken, die Rotation und die Seitneigung.
Sie ist nicht dafür gemacht, lange in festen Positionen zu verharren. Wenn beim Sitzen zudem die Rückenmuskulatur erschlafft, verliert die Wirbelsäule nicht nur an Beweglichkeit, sondern auch an Stabilität und wird folglich anfälliger für Verletzungen
Einseitige Belastung
Ebenso schädlich für den Rücken ist die einseitige Belastung beim Sport oder bei der Arbeit, sei es auf Baustellen, an der Kasse oder auf Pflegestationen. Dabei spielt die angewandte Muskelkraft weniger eine Rolle als die Art der Bewegung. Besonders schädlich für die Bandscheiben sind Arbeiten, die mit starken Vibrationen verbunden sind, wie zum Beispiel im Straßenbau oder im Führerstand eines schweren Fahrzeuges.
Natürlich spielt auch die Bewegung an sich eine entscheidende Rolle. Sowohl wenn sie fehlt und deshalb ein Grund für Rückenschmerzen ist, als auch, um mithilfe von Bewegung Probleme mit dem Rücken zu beseitigen. Viele Menschen werden, weil sie zu wenig Sport treiben, sich im Alltag zu wenig bewegen oder sich ungesund ernähren, zu schwer für ihre Wirbelsäulen. Größeres Körpergewicht belastet die Wirbelsäule, die Bandscheiben werden zusammendrückt und die Gelenke abgenutzt. Laut Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer ist das Rückgrat von dickeren Menschen statistisch gesehen jedoch nicht kränker als von Normalgewichtigen. Andere Faktoren, wie der Zustand der Muskeln und der Trainingsgrad der Muskulatur, spielen demzufolge eine wichtige Rolle für den Zustand der Wirbelsäule
Alter
Die Wirbelsäule verändert sich im Laufe des Lebens. Abnützungen der Wirbelsäule und Bandscheiben machen sich bemerkbar. Die Fähigkeit der Bandscheiben Wasser aufzunehmen sinkt und die Gelenke nutzen sich ab. Das ist ein natürlicher Prozess, der nicht zwingend mit Rückenschmerzen einhergehen muss. Ohne Bewegung geht es allerdings nicht, wie ein altes Sprichwort besagt: Wer rastet, der rostet!
Regelmäßige Bewegung hilft, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Sie schützt vor chronischen Erkrankungen, wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Schlaganfall), Arthrose oder Osteoporose, die besonders häufig im Alter auftreten. Auch die Erholung ist, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt, bei körperlich leistungsfähigeren Menschen wesentlich rascher.
Fernwirkungen
Rückenschmerzen müssen nicht in allen Fällen von der Wirbelsäule mit ihren Bändern, Gelenken und Muskeln ausgehen. Ihr Ursprung kann ebenso in der Erkrankung eines weit entfernten Organs liegen. Die Nervenbahnen, die von der Wirbelsäule abzweigen, versorgen unterschiedliche Körperteile und können in beide Richtungen reagieren.
Je nachdem, in welchem Abschnitt der Wirbelsäule die Reizleitung durch Verspannung oder Druck gestört ist, kann es Symptome an Stellen hervorrufen, die man zunächst nicht mit Rückenproblemen in Verbindung bringt. Massiver Druck im Brustraum kann etwa schlagartig verschwinden, wenn Blockaden an der Brustwirbelsäule beseitigt wurden. Schwindel und Schulterschmerzen hängen oft mit der Halswirbelsäule zusammen und Impotenz kann auch von der Lendenwirbelsäule ausgelöst werden. Welche Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbeln und den Organen, Drüsen und Geweben des Organismus bestehen, wird im Beitrag
Die Wirbelsäule und ihre Bedeutung für Körper und Seele näher dargelegt (Beitrag folgt).
Psyche
Schmerzen machen sich bei jedem Menschen unterschiedlich bemerkbar. Wieso Rückenschmerzen so individuell wahrgenommen werden, ist bislang nicht bekannt. Die Forschung im Bereich der Schmerzentstehung und -weiterleitung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, jedoch wurde dieses Rätsel noch nicht gelöst.
Es wird zunehmend deutlicher, dass die psychische Verfassung des Einzelnen an der Ausprägung der Rückenbeschwerden beteiligt ist. Schon Platon, ein antiker griechischer Philosoph, wusste, dass „der Körper nie ohne die Seele geheilt“ werden könne: „Ein Teil davon kann nie gesunden, wenn nicht der ganze Körper es tut.“ Rückenschmerzen können also auch auf ein seelisches Problem hinweisen.
„Der Mensch ist kein Motor, der, wenn er stottert, durch den bloßen Austausch der Komponenten wieder reibungslos funktioniert.
Wer sich mit dieser Erwartung in die Behandlung begibt,
überfordert die Medizin von vornherein.“
(Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer)
Der Rücken ist mehr als nur ein Körperteil. Er ist ein fühlendes Organ und sagt viel über das gesamte Wohlbefinden aus. Er trägt viele Lasten, tatsächliche und auch psychische. Die innere Haltung ist häufig Auslöser für Rückenschmerzen – der Rücken reagiert auf Angst, Frustration oder Wut. Diese psychische Anspannung macht sich in der körperlichen Reaktion bemerkbar. Wer sich nicht wohl oder bedroht fühlt, möchte instinktiv aufspringen, wegrennen oder sich verteidigen, in der heutigen Zeit wird dieser Instinkt jedoch ignoriert – es wird verkrampft sitzen geblieben.
Depressive Stimmungslagen äußern sich nicht selten in Rückenschmerzen oder in einem akuten Hexenschuss. Übergroßer Druck sorgt dafür, dass aus Anspannung mit der Zeit eine Verspannung wird und chronische Verspannung kann Folgen wie Bandscheibenvorfälle oder Gelenkverschleiß haben. Welche möglichen inneren Probleme bei fehlstehenden Wirbeln auftreten können beziehungsweise was der Auslöser für eine Fehlstellung sind, werden im Beitrag Die Wirbelsäule und ihre Bedeutung für Körper und Seele (Beitrag folgt) behandelt.
Stress und Verspannungen
Ähnlich verhält es sich mit negativem Stress. Er ruft im Körper Anspannung hervor, die helfen soll, anstehende Aufgaben zu bewältigen. Das ist in Maßen zunächst gut. Doch zu viel Stress und das Leben unter dauernder Anspannung wirken sich auf das allgemeine Wohlbefinden und den Rücken aus. Stress hat nicht nur eine biochemische Seite (Hormonausschüttung), sondern auch eine neuromuskuläre. Darin zeigen sich zwei wesentliche Reaktionsmuster: Flucht oder Kampf. Aus dauerhaftem negativem Stress entsteht Verspannung. Laut Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer sind muskuläre Verspannungen bei 80 Prozent der Rückenschmerzen der Hauptauslöser.
Der Einfluss von negativem Stress auf das Wohlbefinden lässt sich auch auf die Arbeitswelt beziehen. Menschen, die sich am Arbeitsplatz nicht verwirklichen können, gemobbt werden oder in anderer Weise unter starkem Stress stehen, haben ein größeres Risiko, sich Rückenleiden zuzuziehen als jene, die das Glück haben, weitgehend stressfrei zu leben bzw. Stress als positive Herausforderung sehen. Ein kritischer Faktor ist auch mangelnde Motivation im Beruf. Unzufriedenheit führt häufig zu körperlichen Schmerzphänomenen.
Zukunftsbild
Das persönliche Zukunftsbild über die eigenen Rückenbeschwerden ist ebenso entscheidend für den Therapieerfolg. Schon vor längerer Zeit wurde wissenschaftlich bewiesen, dass die eigene Erwartungshaltung einen außergewöhnlichen Einfluss auf den Genesungserfolg hat. Die Schlüsselfrage, die sich ergibt, lautet: Glaube ich, je wieder arbeiten zu können? Denn in den meisten Fällen bestimmt diese Überzeugung über den gesamten Therapieerfolg.
Handynacken
Für einseitige muskuläre Beanspruchung sind moderne Menschen nicht selten selbst verantwortlich. Die neueste Technik beeinflusst das Leben in vielfältiger Weise – auch gesundheitlich. Nicht immer ist das ein Vorteil, denn seit einigen Jahren ist vom Handynacken oder von der iPad-Schulter die Rede. Es ist ein noch relativ neues Phänomen, das zeigt, dass vieles was helfen soll, das Leben auch erschwert. Smartphones und Tablets verleiten zu Fehlhaltungen. Ständig wird mit gesenktem Kopf gesessen oder gestanden, was zu Kopfschmerzen, Nackenproblemen und Rückenschmerzen führen kann. Vor allem Jugendliche, die stundenlang chatten oder Filme auf dem Tablet schauen, sind wegen der noch höheren Flexibilität der Wirbelsäule besonders gefährdet.
Das New Yorker Klinikum für Wirbelsäulenchirurgie hat 2014 ermittelt, welche Kräfte auf die Wirbelsäule wirken, wenn auf das Smartphone oder Tablet geblickt und getippt wird. Der Kopf eines erwachsenen Menschen wiegt zwischen vier und sechs Kilogramm. Wird dieser beim Blick auf das Handydisplay nach vorn geneigt, wirken Kräfte auf die Rückenmuskulatur, die umso stärker sind, je größer der Neigungswinkel ist. Wenn der Kopf um rund 15 Grad nach vorne gebeugt wird, wirken zusätzlich 13 Kilogramm auf den Rücken. Je tiefer der Kopf nach vorne sinkt, desto stärker wird der Rücken belastet. Wer auf sein Mobilgerät blickt, hat den Kopf um 45 Grad gesenkt. In diesem Fall wirken Kräfte über 20 Kilogramm auf den Rücken. In dieser Position muss die Halswirbelsäule einer hohen Kraft entgegenwirken. Die Bänder sind ständig gedehnt, die Muskeln angespannt

Lisa
Als jemand, der unter Rückenschmerzen leidet, finde ich den Artikel über Ursachenforschung bei Rückenschmerzen sehr interessant. Die detaillierten Erklärungen zu den verschiedenen möglichen Ursachen und die Bedeutung der Wirbelsäulenchirurgie sind informativ und hilfreich. Es ist gut zu wissen, dass es bei anhaltenden Rückenbeschwerden wichtig ist, eine gründliche Untersuchung durchzuführen, um die richtige Behandlung zu finden.